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Wer kennt Ravelry noch nicht?

Mai 27th, 2010
Die Login-Seite von Ravelry

Die Login-Seite von Ravelry

Ravelry  ist die wichtigste Online-Strick-Community weltweit – und ich finde es supernützlich.

Viele werden Ravelry schon kennen, aber vielleicht ist ja die eine oder andere (Wieder-) Einsteigerin ins Stricken dabei, die davon noch nicht gehört hat.

Der einzige Nachteil vorweg: Ravelry ist hauptsächlich englischsprachig. Aber selbst wenn die Englischkenntnisse nicht so gut sind, sobald man es mal durch die englische Anmeldung geschafft hat, gibt es sehr viel Bildmaterial – und es gibt dann auch deutschsprachige Diskussionsforen (groups).

Tja, warum finde ich Ravelry so nützlich? Erstens, es ist eine Riesen-Community mit mehreren Hunderttausend (kein Schreibfehler!) Mitgliedern, die fleissig Bilder einstellen – z.B. von Garnen, die sie gekauft haben (yarns stashed), von Projekten, an denen sie arbeiten (projects) und von fertigen Arbeiten (finished objects – FOs). Auch viele namhafte Strickdesignerinnen und -designer sind dort Mitglied. Manche Mitglieder stellen auch Anleitungen (patterns) ein – viele davon sind umsonst und die kostenpflichtigen Anleitungen kann man bequem online kaufen.

Zum zweiten ist Ravelry wirklich genial strukturiert: z.B. kann man beim Einstellen eines Bildes angeben, aus welchem Garn und nach welcher Anleitung (z.B. Strickheft Nr. X, Modell Y) man die Arbeit angefertigt hat. Das macht es möglich, dass Mitglieder sehen können, welche Arbeiten aus einem bestimmten Garn angefertigt wurden – und wie das so herauskam. Oder ob bestimmte Anleitungen Fehler oder Schwächen haben – das wird nämlich gerne in den Kommentaren angemerkt ;-)

Hier sind ein paar Beispiele, wie ich Ravelry gerne benutze:

  • ich habe mir ein neues Garn gekauft, aber bin noch nicht ganz entschlossen, was ich damit machen will und wofür das Garn so geeignet ist. Dann gebe ich den Namen des Garns bei Ravelry in die Suchbox ein, stelle die Suche auf “yarns” (Garne) ein, und es kommen oft hunderte von fertigen Arbeiten (finished objects) hoch, die mit dem Garn angefertigt wurden. Mit Fotos natürlich. So kann ich dann sehen, wofür das Garn gut geeignet ist (und wofür weniger) – und überhaupt, wie zufrieden die Mitglieder mit dem Garn sind
  • ich will mir etwas Bestimmtes stricken und suche noch eine Anleitung. Ich tippe mein Stichwort in die Suchbox (z.B. scarf für Schal), stelle die Suche auf “patterns” (Anleitungen) ein, und oft kommen hunderte Anleitungen zurück – viele davon sind sogar gratis herunterzuladen. Und wenn mir ein Modell gut gefällt, kann ich wiederum schauen, aus welchen Garnen die Mitglieder es angefertigt haben – mit welchen Garnen das Modell gut kommt und mit welchen nicht so. Manche Modelle brauchen z.B. ein superdickes Garn mit Stand und sehen mit einem dünneren oder weicheren Garn ganz anders aus – selbst wenn man korrekt umrechnet. So was sieht man leicht, wenn man sich mal durch ein paar Seiten “finished objects” für das Modell durchgeklickt hat. Da kann einem Ravelry vor schweren Fehlern bewahren.
  • ich habe online ein tolles neues Strickbuch gesehen, bin mir aber nicht sicher, ob es genügend interessante Modelle hat, so dass ich es mir kaufen möchte. Ich gebe den Buchtitel ein und suche nach “books”. Dann kann ich mir alle “finished objects” zeigen lassen, die nach Anleitungen aus dem Buch gearbeitet wurden. Insbesondere bei englischsprachigen Büchern, die schon eine Weile auf dem Markt sind, gibt es in der Regel zu jedem Modell aus dem Buch mehrere (oder viele) “finished objects”, so dass ich danach weiss, was in dem Buch so drin ist, und ob es sich für mich lohnt.

Tja, dann gibt es noch wie erwähnt die vielen Diskussionsforen (groups), einige davon auf Deutsch, z.B. auch eine Gruppe von StrickerInnen aus dem Raum Stuttgart – die heisst “Stuttgarter Stricktreff“.

Noch ein paar praktische Tipps: wer Mitglied werden möchte, muss sich auf der Home Page von Ravelry (www.ravelry.com) registrieren – und es kann ein paar Tage dauern, bis die Registrierung bearbeitet wird. Sobald man die offizielle Einladung hat, kann man dann loslegen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos – Ravelry finanziert sich über Sponsoren (z.B. Strickläden oder Garnfirmen) und über den Verkauf von “Souvenirs” aus dem angeschlossenen Online-Shop.

Wer Übersetzungshilfe für allgemeine englische Begriffe braucht: LEO (dict.leo.org) ist ein sehr gutes Online-Wörterbuch für Englisch-Deutsch (und umgekehrt). Falls sich ein spezieller Strickbegriff auf LEO nicht findet, Strickmasche hat ein schön übersichtliches Strickwörterbuch Englisch-Deutsch.

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Stricken in London – loop yarn shop

April 26th, 2010

Loop London - ein Paradies für edle Garne

Loop London - ein Paradies für edle Garne

Ich war diese Wochen beruflich in London und hatte einen Tag zum Sightseeing drangehängt. Und die Sights, die ich sehen wollte, waren natürlich Strickläden: durch das Rowan-Magazin und durchs Internet hatte ich den Eindruck gewonnen, dass Stricken im angelsächsischen Raum als Handwerk deutlich mehr geachtet ist als hier in Deutschland. Und ausserdem mag ich sehr gerne Garne aus edlen Naturfasern (Alpaka, Seide, Mohair, Merino, seltene Schafrassen, ….), und wenn’s geht ohne starke Ausrüstung (d.h. ohne Superwash und so). In vielen deutschen Strickläden gibt es solche Garne kaum, aber britische und amerikanische Online-Shops haben oft eine große Auswahl davon – und das wollte ich mal live erleben.

Ich hatte vorab im Internet recherchiert und der erste Laden, den ich besuchte, war der loop yarn shop im Stadtteil Islington. Und ich wurde nicht enttäuscht, es ist ein echtes Paradies für edle Garne und tolle Strickbücher und -hefte, und natürlich Zubehör: handgefärbte Schurwoll-Garne (ohne Superwash), Mohairgarne aus Australien und aus Japan, Alpaka-Seide-Mischungen, Seide pur, extradickes Kaschmir pur, …. Es hat so Spass gemacht, die Garne in den wildesten Farben anzusehen (und anzufassen). Und ich habe auch eine neue Strickdesignerin entdeckt, die ich ganz toll finde:  Norah Gaughan, die Chefdesignerin von Berroco Yarns.

Wenn es mich wieder mal nach London verschlägt, dann gehe ich sicher wieder dorthin zum “Sightseeing.” ;-)

Wool and the Gang bei Net-a-porter.com

April 24th, 2010

In der Printausgabe der “Sueddeutschen Zeitung” ist heute ein Interview mit Natalie Massenet, der Gründerin von Net-a-porter.com. Net-a-porter verkauft Luxusmode über das Internet. Durch das Interview war ich neugierig geworden, ob die Web Seite z.B. auch zur modischen Inspiration taugt, und überhaupt, was es da so gibt und was es kostet. OK, es ist teuer, wirkliche Luxusmode. Viele, viele Marken und ein tolles Shopping-Erlebnis: beispielsweise kann man jeden Artikel für sich alleine in Nahaufnahme sehen – und als Teil eines kompletten Outfits. Von daher finde ich die Webseite tatsächlich als Inspiration fürs eigene Styling sehr nützlich.

Die größte Überraschung für mich war jedoch, dass ich beim Stöbern in der Abteilung Accessoires auf “Wool and the Gang” gestoßen bin. Zuerst eine Mütze und ich dachte – diese Marke kennst Du doch irgendwie. Und dann kam der Hammer: toll aufgemachte Komplettpackungen zum Selberstricken von Accessoires, z.B. Schals oder Stulpensets, hauptsächlich aus einem sehr voluminösen Schurwollgarn. Natürlich auch nicht ganz billig – das Set für den Riesenschal kostet z.B. 129 €. In diesem Fall kann man mit Selberstricken aber doch Geld sparen, denn die Schals gibt es auch fertig zu kaufen, für 249 €. Wäre sicher auch eine schöne Geschenkidee, z.B. für Wieder-Einsteiger ins Stricken: mit dicken Nadeln schnell ein Luxusaccessoire stricken. Aber das tollste war für mich, dass Strickpackungen in so einem Umfeld präsentiert werden – Stricken ist eindeutig in!

Ysolda Teague – erfrischend nostalgisch

April 11th, 2010
Strick-Muster der jungen Designerin Ysolda Teague

Eine kleine Auswahl der Ysolda-Muster bei ravelry.com (Zum Vergrößern klicken)

In Deutschland kaum vorstellbar, ein Artikel im Spiegel oder Stern über eine Handstrick-Designerin, die keine eigenen Laufsteg- Shows in Berlin hat, sondern einfach ihre Muster über eine Website verkauft.
Doch genau das hat “The Times” gemacht: Sie berichtet über Ysolda Teague, einer jungen schottischen Designerin, die vor allem mit ihren Berets in der Strick-Szene bekannt geworden ist.

Sie stamme aus einer Familie von Strickern -  erzählt Ysolda Teague der Times  – und stricke selbst seit dem sie 6 Jahre alt sei. Der Durchbruch kam mit 19 mit einem Muster einer Strickjacke, die an die 40er Jahre erinnern.

Eine moderne Designerin ist sie tatsächlich nicht, alle ihre Muster haben etwas Nostalgisches. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass sie Ihre Stricktechnik anhand von Strickbüchern aus den 40er und 50er Jahren verfeinert hat. Trotzdem wirken ihre Entwürfe nicht altbacken. Sie verwendet die zwar die Musterstreifen und Stricktechniken der frühen Nachkriegszeit, setzt aber eigene Akzente vor allem bei den Schnitten und Farben.

Inzwischen hat Ysolda Teague den 2. Band ihres eigenen Strickbuchs “Whimsical Little Knits” heraus gebracht.