Stricken aktuell – eine kleine Presseschau

Der Weltstricktag hat in diesem Jahr ziemlich eingeschlagen.. Es hat den Anschein, dass der damit verbundene gute Zweck  die Tür zu den Medien öffnet. In erster Linie haben die regionalen Zeitschriften über die Aktionen um die Neugborenendecken in ihrer Umgebung berichtet.

Doch wie wird das Thema – abgesehen vom Weltstricktag – in der überregionalen Presse aufgegriffen? Gar nicht mal so selten und ziemlich unterschiedlich  – wie eine kleine Recherche über den Zeitraum der letzten Monate zeigt:

In der Sonne sitzen und stricken

Über die Krise in Island berichtet der Spiegel und stellt “Prjona Jona” (“Strickende Jona”)  vor, eine junge Isländerin, die mit dem Stricken eine große Karriere gemacht hat: Zunächst hat sie Babykleidung gestrickt und verkauft, dann ein erfolgreiches Strickbuch geschrieben. Die Frau, die in Island beinahe so bekannt sein soll wie Björk, sieht in der Wirtschaftskrise die Möglichkeit zur Rückkehr zum einfachen Leben:

“In den fetten Jahren hatten sich die Isländer daran gewöhnt, über ihre Verhältnisse zu leben. Jetzt entdecken sie die Freuden der einfachen Dinge. Daheim bleiben und kochen. Oder in der Sonne sitzen und stricken.”

Frühkindliche Prägung

Ich stricke also bin ich” titelt Die Welt und meint damit Rosemarie Trockel, deren Werke gerade in einer Retrospektive in der Kunsthalle Zürich gezeigt werden. Der Autor versucht sich in einer psychologisch-soziologischen Interpretation des Strickens:

Wahrscheinlich sind die frühkindlichen Bilder strickender Mütter, Großmütter und Tanten so stark, dass sie seit der Erfindung der Familie im späten 18. Jahrhundert keine Töchtergeneration mehr aus den umlockten Köpfen gebracht hat.

Selbstverständlich stricken echte KünstlerInnen – nach Meinung des Autors – nicht selbst . Das bleibt für ihn unvorstellbar. Für Rosemarie Trockel geht es dennoch zusammen -  stricken und denken.

Gegen Unsichtbarkeit: Telefonzellen mit Mützen

Ein sehr interessantes Strick-Guerilla-Projekt stellt Der Freitag vor: In München haben die beiden Künstler Stefanie Müller und Klaus Dietl zusammen mit jungen Migrantinnen aus dem Projekt “Fadenlauf” zwei Telefonzellen vor dem Bahnhof bestrickt.

Durch die kreative Auseinandersetzung mit Stoff, Auftritten auf Modeschauen oder künstlerische Aktionen wie das Einstricken der Telefonzellen in der Öffentlichkeit werden die Jugendlichen selbstsicherer. „Du bist dann nicht mehr so unsichtbar“

Das bunte Kleid wurde der Telefonzelle wieder abgenommen und ist in den Ausstellungsräumen von Munich Central zu sehen.

Glückliches Reisestrickzeug

Die Zeit beschreibt die “Neueste Masche” vor allem in praktischer Hinsicht. Die Autorin macht aus ihrer Leidenschaft beim Reisen zu stricken keinen Hehl (“Ohne Strickzeug entferne ich mich nicht weiter als 20 Kilometer von meiner Wohnung”), verweist auf die seit dem 11. September erschwerten Bedingungen bei Flugzeugreisen (drei beschlagnahmte Rundstricknadeln am Flughafen von Ciudad Juárez), versucht die Leser von extremeren Strickformen zu überzeugen (Yarn Bombing für Sehenswürdigkeiten) und hat sehr patente Tipps für’s Reisestrickzeug (keine teuren Holznadeln im Flugzeug) Glaubhaftes Fazit:

Wozu überhaupt stricken? Der Selbstversuch beweist: Stricken macht glücklich.

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